Wirtschaft

Friseurbesuch wird wohl teurer: Nachwuchs dringend gesucht

Die gut 80.000 Friseursalons hierzulande haben große Probleme, Nachwuchs zu finden. Binnen zehn Jahren hat sich die Zahl der Auszubildenden fast halbiert. Das Werben um Personal dürften auch die Kunden an der Kasse merken.



Beim Friseur
Haarschnitte, Bartrasuren oder Färbungen könnten bald mehr kosten.   Foto: Carsten Rehder

Deutschlands Friseure bekommen den Fachkräftemangel zu spüren. Im Ringen um Mitarbeiter müssen die Betriebe oft höhere Gehälter bieten - während die Branche zugleich gegen das Image anstrengender, aber schlecht entlohnter Arbeit in vielen Salons kämpft.

Der harte Wettbewerb um Fachkräfte lasse die Personalkosten steigen, sagte Harald Esser, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, am Montag.

2018 sei die Zahl der Auszubildenden kräftig um 4,7 Prozent gefallen. «Nachwuchsgewinnung ist die drängendste Aufgabe unserer Branche», betonte Esser in Frankfurt. Seit Jahren wollten immer weniger junge Leute Friseur oder Friseuse werden. Da viele Schulabgänger lieber studierten, wachse die Konkurrenz im Handwerk. Betriebe müssten höhere Lohnkosten weiterreichen und mehr für Haarschnitte, Rasuren oder Färbungen verlangen. «Die Preise für Friseurdienstleistungen werden voraussichtlich weiter moderat steigen.»

2017 waren die Preise laut einer Verbandsumfrage bereits um 2,2 Prozent geklettert. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Frauen gaben demnach im Schnitt rund 53 Euro je Besuch im Friseursalon aus. Männer investierten knapp 21 Euro - Tendenz steigend.

Die Branche mit mehr als 230.000 Beschäftigten bundesweit profitiert davon, dass viele Menschen sich Schönheit etwas kosten lassen. Jede zweite Frau etwa fragt dem Verband zufolge nach Färbungen. Aber auch Männer gäben mehr Geld für Haarschnitte und Bartpflege aus, sagte Esser. Die Friseure setzten nun mehr auf Style-Beratung und aufwendigen Farbservice - etwa für angesagte Lockenkopf-Schnitte und wieder längere Männerfrisuren. 2017 kletterte der Umsatz der Branche um 2,4 Prozent auf rund sieben Milliarden Euro.

Zugleich aber beschäftigten viele Salons nur eine Handvoll Beschäftigte. Die große Mehrzahl der Friseurbetriebe erzielt laut Zentralverband weniger als 125.000 Euro Jahresumsatz, entsprechend wenig Spielraum bleibt für die Bezahlung der Mitarbeiter. Werden prekäre Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne öffentlich diskutiert, dann oft am Beispiel einer schlecht bezahlten Friseuse.

«Wir müssen weg kommen von diesem Bild», sagt Esser. Für viele Betriebe sei es aber schwer, mit anderen Branchen mitzuhalten. «Ein Friseur kann mit einem Jahresgehalt von 18.000 Euro brutto kurz nach der Lehre nicht mit einem ausgebildeten Bankkaufmann mithalten.» Zudem mache die Konkurrenz der Barbershops, in denen oft keine ausgebildeten Friseure arbeiteten, den Betrieben das Leben schwer.

Bildeten die mehr als 80.000 Friseursalons hierzulande 2008 noch mehr als 40.000 Lehrlinge aus, hat sich die Zahl zehn Jahre später auf unter 21.000 fast halbiert. Gleichwohl bleibt der Beruf bei jungen Leuten angesagt - nicht nur bei Frauen: Gut jeder fünfte Auszubildende war 2018 männlich.

Bei der Gewerkschaft Verdi sind die Nachwuchssorgen der Friseure bekannt. «Die Nachfrage nach dem Berufsbild sinkt deutlich», sagt Ute Kittel, Mitglied im Bundesvorstand. «Eine relativ niedrige Bezahlung bei körperlicher Arbeit löst bei jungen Leuten keine Begeisterung aus.» Auch gebe es keinen Branchenmindestlohn, der über den gesetzlichen Mindestlohn von 9,19 Euro je Stunde hinausgehe.

Das Friseurhandwerk setze sich für eine ordentliche Vergütung der Auszubildenden ein, betont Hauptgeschäftsführer Jörg Müller. In Westdeutschland sei das in der Regel auch kein Problem, im Osten mit vielen kleinen Betrieben und strukturschwachen Regionen sehe es aber anders aus. «Sie können dort höhere Preise nicht einfach auf die Kunden abwälzen.» Der Verband wehrt sich gegen eine bundesweite Mindestvergütung für Lehrlinge, wie sie die große Koalition plant. «Das birgt die Gefahr, dass die Ausbildungszahlen weiter fallen.»

Das Friseurgewerbe tue viel, um die Branche weg vom Image niedriger Löhne und prekärer Arbeit zu bekommen, meint Kittel von Verdi. Mehr als 50 Prozent der Friseurbetriebe seien inzwischen tarifgebunden, in 10 Bundesländern würden Tarifverträge für Auszubildende gelten.

Dennoch bleiben Schwarzarbeit und die Umgehung von Mindestlöhnen ein Problem. Verdi geht mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit immer wieder gegen Betriebe vor. «Manche Friseur-Beschäftigte haben nur eine bestimmte Zahl von Stunden im Vertrag, arbeiten aber in Realität in Vollzeit», sagt Kittel. Die Preispolitik mancher Betriebe sei bei den Mieten in Großstädten gar nicht durchzuhalten. «Ein Haarschnitt für 10 Euro ist mit dem Mindestlohn schwer zu vereinbaren.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 05. 2019
16:28 Uhr

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27. 05. 2019
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