Fichtelgebirge

Welpen und Finken stranden im Tierheim

Die Tierretter aus Breitenbrunn müssen in wenigen Stunden Platz für 250 Vögel und 27 Welpen schaffen. Immer häufiger landen geschmuggelte Tiere in der Festspielstadt.



Vanessa Hoffmann kümmert sich um die Hundebabys in der Quarantänestation.
Vanessa Hoffmann kümmert sich um die Hundebabys in der Quarantänestation.   Foto: Florian Miedl

Wunsiedel - Manuela Marth und ihren vier hauptamtlichen Mitarbeiten im Tierheim Breitenbrunn werden in den kommenden Monaten gehörig die Ohren klingen: Seit Montagnacht beherbergen sie 250 Zierfinken. Diese stammen aus einem illegalen Tiertransport, der am Grenzübergang Waidhaus im Landkreis Neustadt/Waldnaab gestoppt wurde. Zwei Belgier wollten in einem Kastenwagen einen wahren Zoo 1400 Kilometer weit von Budapest nach Antwerpen schmuggeln. Wobei: Einer Schuld waren sie sich nicht bewusst. Vögel, Welpen, ein Äffchen und sogar drei kleine Weißwedelhirsche hatten sie in den Wagen gepfercht. Insgesamt 320 Tiere zählten die Waidhauser Grenzbeamten. Doch wohin mit all den erbarmungswürdigen Kreaturen? Hier kommt das Wunsiedler Tierheim ins Spiel. Immer wieder müssen dessen Mitarbeiter seit einiger Zeit auf der A 6 oder auch an der österreichisch-deutschen Grenze in Südbayern gestrandete Tiere aufnehmen.

Tausende Euro Kosten

Vor mehreren Jahren hat es im Landkreis Wunsiedel einen ähnlichen Fall wie in Waidhaus gegeben. Wie Amtstierarzt Dr. Ulrich Geipel auf Nachfrage der Frankenpost sagte, sind die Tiere in Tierheime in ganz Bayern vermittelt worden. Weit häufiger komme es aber vor, dass Haustiere Verstorbener oder von Menschen, die in ein Pflegeheim ziehen, ein neues Zuhause benötigen. Die Veterinäre kontrollieren zwar den Zustand der Tiere, für die Behandlungen sind jedoch die niedergelassenen Tierärzte oder die Mitarbeiter des Tierheims zuständig.

Beim Landratsamt Neustadt/Waldnaab rechnet man im aktuellen Fall mit "mindestens einigen Zehntausend Euro" für die Versorgung der Tiere. 2017 musste der Landkreis laut Pressesprecherin Claudia Prößl 40 771,27 Euro für illegale Tiertransporte berappen, 2018 seien keine Kosten entstanden. Im aktuellen Jahr seien bereits 30 657,59 Euro für den Aufgriff eines Tiertransportes Ende Dezember 2018 ausgegeben worden. Größere Rechnungen stünden jedoch noch aus.

Die Behörde zahlt das, was sie in Anspruch nimmt (auch tierärztliche Betreuung und extra Tierheimpersonal für Transport und Quarantänebetrieb).

Im Juni 2017 stellte zum Beispiel das Tierheim Nürnberg der Stadt Weiden eine Rechnung über eine Viertelmillion Euro für die fünfmonatige Versorgung von 79 Welpen aus. Drei Jahre zuvor war die städtische Amtstierärztin zu dem illegalen Tiertransport gerufen worden. Sie hatte die Unterbringung der Tiere in Nürnberg angeordnet. S.K./M. Bäu.

 

"Bei derartigen Fällen sind alle Tierheime in einem weiten Umkreis gefragt. Wir haben hier eine größere Quarantäne-Station, die es so nicht überall gibt", sagt auf Nachfrage der Frankenpost Manuela Marth. In dieser befinden sich seit Montag drei Möpse, sieben Dackel, acht Französische Bulldoggen, ein Boxer, vier Chow-Chows (das sind die Hunde mit der blauen Zunge) und vier Pudel-Mischlinge. "Die Möpse sind erst vier bis fünf Wochen alt, die übrigen Welpen dürften etwa acht Wochen alt sein", sagt die Tierheim-Leiterin. Der Großteil der Hunde ist zwar ziemlich geschafft, wirkt aber relativ gesund. "Einige haben aber auch extremen Durchfall." Da keines der Tiere geimpft ist, müssen sie zunächst in Quarantäne bleiben.

15.05.2019 - Gerettete Tiere im Tierheim Breitenbrunn - Foto: Flo Miedl

Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn
Tierheim Breitenbrunn

 

Welpen können erst im Alter von zwölf Wochen gegen Tollwut geimpft werden. Deshalb und damit sich kein anderer Hund einen Keim einfängt, müssen sie strikt von den anderen Tieren getrennt werden. In Breitenbrunn ist die Quarantäne-Abteilung nur durch eine Schleuse erreichbar. "Hier ist alles extra, sogar die Waschmaschine. Wir wechseln natürlich auch die Kleidung, wenn wir die Abteilung verlassen", sagt Manuela Marth.

Improvisieren mussten die Tierheim-Mitarbeiter im Fall der Finken. Sie haben flugs ein Zimmer leer geräumt und in der Mitte einen ausladenden Baum aufgestellt, damit die Vögel Platz haben und sich auf Zweige setzen können. In dem belgischen Transporter waren sie in drei winzige Boxen eingesperrt. Umso mehr genießen die Finken ihre relative Freiheit. Damit keiner entwischt, wenn die Tierpfleger Futter bringen oder den Boden säubern, hängt an der Tür ein Moskitonetz.

Derzeit flattern auch sechs afrikanische Opalracken in einem Käfig im Tierheim. "Diese können wir hier aber nicht langfristig halten, die werden vom Tierheim Pfaffenhofen abgeholt", sagt Manuela Marth. Auch das in Waidhaus gefundene Äffchen und die Weißwedelhirsche sind in anderen Einrichtungen untergebracht.

Was mit den Finken wird, kann Manuela Marth noch nicht abschätzen. "Ich hoffe, wir können sie ebenso vermitteln wie die Hunde." Für die Vierbeiner schlagen in der Region viele Herzen. So sind die vor einigen Monaten ebenfalls von einem Tiertransport in Wunsiedel gelandeten Französischen Bulldoggen allesamt an Hundeliebhaber in der näheren Umgebung abgegeben worden.

Theoretisch ist es auch möglich, dass die beiden Belgier die Hunde wieder zurück nehmen wollen, da sie ihr Eigentum sind. Doch das hält Manuela Marth für wenig wahrscheinlich. "Sie müssten die Kosten für die Versorgung und den Tierarzt bezahlen - das wird teuer." Pro Tag kosten allein die Betreuung und das Futter der Welpen 24 Euro. Bei sieben bis acht Wochen Quarantäne kommt eine Summe zusammen, die den Marktwert der Hunde übersteigen kann. Daher erstattet wahrscheinlich das Landratsamt Neustadt/Waldnaab einen Großteil der Kosten.

Die Tierpfleger haben derzeit alle Hände voll zu tun. Die 250 Finken und 23 Hunde sind nur ein Bruchteil der Tiere, die in Breitenbrunn untergebracht sind. Unter anderem versorgen die Mitarbeiter eine Boa. Auch mehrere Papageien leben seit einiger Zeit hier. "Die stammen von einer Haushaltsauflösung. Der Wohnungsinhaber hat sie nicht mehr halten können", sagt Manuela Marth. Allein die "normalen" Fälle sind anspruchsvoll genug. Wenn dann noch innerhalb von wenigen Stunden x Tiere aus illegalen Transporten buchstäblich vor der Haustür stehen, wird es richtig heftig. "Aber das sind wir gewohnt. Wenn wir helfen können, dann helfen wir auch."

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
15. 05. 2019
18:10 Uhr

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Matthias Bäumler

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15. 05. 2019
18:10 Uhr