Hof

Fattigau als Modell-Ort

Im Ortsteil von Oberkotzau leuchtet seit drei Wochen ein aufgemalter Fahrradstreifen. Autofahrer schränkt das aber kaum ein.



Autofahrer dürfen den neuen Schutzstreifen überfahren. Foto: Hannes Keltsch
Autofahrer dürfen den neuen Schutzstreifen überfahren. Foto: Hannes Keltsch  

Oberkotzau/Fattigau - Während der ADFC die Stadt Hof erst kürzlich zur fahrradunfreundlichsten Stadt Deutschlands gekürt hat (wir berichteten), testet man im Landkreis zurzeit Alternativen. So zieht sich seit etwa drei Wochen ein auf die Staatsstraße B 289 aufgemalter Sicherheitsstreifen für Fahrradfahrer durch den Oberkotzauer Ortsteil Fattigau. Noch sind aber viele Verkehrsteilnehmer - sowohl Auto- als auch Fahrradfahrer - davon irritiert. Wer darf den Streifen wie benutzen?

Die Regeln

Der Schutzstreifen ist Teil der Fahrbahn , Fahrzeuge dürfen ihn also überfahren, wenn kein Fahrrad darauf fährt.

Auch für Radfahrer gilt das Rechtsfahrgebot . Das bedeutet im Fall Fattigau, dass der Streifen nur Richtung Hof benutzt werden darf. Hält man sich nicht daran, kann es Strafen geben: 15 Euro, wenn man sich nicht an das Gebot hält, 20 Euro, wenn man andere behindert, 25 Euro, wenn man andere gefährdet und mit Unfallfolge oder Sachbeschädigung werden es 30 Euro.

Kinder bis zehn Jahre dürfen solche Schutzstreifen nicht benutzen . Ab zehn Jahren müssen sie dann auf dem Radweg oder Schutzstreifen fahren.

 

Der Schutzstreifen ist Teil eines bayernweiten Modellversuchs, erklärt Markus Käs, stellvertretender Fachbereichsleiter für Verkehrswesen im Landkreis. Bei dem Versuch wolle man verschiedene Maßnahmen daraufhin untersuchen, wie sicher sie wirken, wie sicher sie sind und wie verständlich sie für die Verkehrsteilnehmer sind.

 

Modelle wie dieses sollen Erkenntnisse liefern, um an Stellen wie etwa in Fattigau die Situation zu verbessern, wenn andere bauliche Maßnahmen nicht möglich sind. Federführend verantwortlich sind die Technische Hochschule Nürnberg, das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr und die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern. Das staatliche Bauamt setzt das Projekt um, zusammen mit der Verkehrsbehörde des Landratsamtes, der Polizei und dem Markt Oberkotzau.

"Die Situation in Fattigau war schon immer schwierig", gibt der Oberkotzauer Bürgermeister Stefan Breuer zu. In Richtung Hof ende der Radweg, sodass viele Radler den Gehsteig auf der gegenüberliegenden Seite benutzt hätten. "Da gibt es aber viele Einfahrten, und es kam oft zu gefährlichen Situationen." Der Markt habe sich hier Verbesserungen gewünscht.

Nun müsse man abwarten, ob der Sicherheitsstreifen die gewünschte Sicherheit mit sich bringt. "Man hat in Fattigau leider nicht die Breite, um einen Radweg zu schaffen. Aber der Sicherheitsstreifen trägt vielleicht etwas zur Vorsicht bei Autofahrern bei, wenn sie die Markierung sehen", sagt Breuer.

Noch kennen allerdings die wenigsten Verkehrsteilnehmer die Regeln, sind zum Teil irritiert von der neuen Markierung. "Der Schutzstreifen ist Bestandteil der Fahrbahn. Das heißt, dass Autos ihn überfahren dürfen, um beispielsweise Gegenverkehr auszuweichen", erklärt Michael Müller. Er ist bei der Polizeiinspektion Hof zuständig für den Verkehr im Landkreis. Dass die Fahrbahn nun in manchen Situationen eng sein könnte, lässt er nicht als Argument zählen: "Wenn eine Fahrbahn eng ist, muss ich langsam fahren." Norbert Grüner vom staatlichen Bauamt in Bayreuth ergänzt: "Autofahrer können den Schutzstreifen bei Bedarf überfahren, er bietet aber trotzdem eine erhöhte optische Aufmerksamkeit für den Radverkehr."

Wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten, dann ist ein solcher Streifen "sehr, sehr sinnvoll", sagt Müller. Aber für viele Fahrer sei es noch eine unbekannte Situation, oft liege die Führerscheinprüfung und das damit erworbene Wissen lange zurück. "Und deswegen kommt es dann eben zu Situationen, die nicht sein sollten"

Ist ein solcher Sicherheitsstreifen also die Lösung? Verhältnismäßig günstig ist er mit rund 1500 Euro zumindest. Erste Ergebnisse liegen Grüner zufolge aber noch nicht vor. "Für eine Bewertung der Maßnahme ist es noch zu früh", schränkt er ein. Die Erkenntnisse sollen voraussichtlich Mitte des Jahre vorliegen, ergänzt Markus Käs vom Landratsamt. Schon jetzt habe sich zumindest eine Unsicherheit abgezeichnet, etwa, ob ein Fahrzeug den Schutzstreifen befahren darf oder nicht.

Autor

Laura Schmidt
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Veröffentlicht am:
29. 04. 2019
22:10 Uhr

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Laura Schmidt

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Veröffentlicht am:
29. 04. 2019
22:10 Uhr