Hof

Hunde beißen oft aus Angst zu

Immer wieder greifen Hunde Menschen an - wie zuletzt in Münchberg oder am Förmitzspeicher. Der Grund für einen Angriff ist laut Experten häufig mangelnde Erziehung.



Ein Schäferhund hat am Montag der vergangenen Woche einen Mann am Förmitzspeicher gebissen. Warum das passiert ist, ist noch unklar. Symbolfoto: Mikkel Bigandt /Adobe Stock
Ein Schäferhund hat am Montag der vergangenen Woche einen Mann am Förmitzspeicher gebissen. Warum das passiert ist, ist noch unklar. Symbolfoto: Mikkel Bigandt /Adobe Stock  

Hof/Landkreis - Hunde sind die besten Freunde des Menschen, heißt es. Und dennoch kommt es in Deutschland jedes Jahr zu Tausenden von Bissverletzungen - wie auch im Februar in Münchberg, als drei Schäferhunde einen Vater und seine Kinder attackierten, oder am Montag vergangener Woche am Förmitzspeicher in Schwarzenbach an der Saale. Hier hat ein Schäferhund sich so sehr in den Arm eines Mannes verbissen, dass der 49-Jährige das Tier im Speichersee ertränken musste, um sich von dem Hund zu befreien. Warum der Hund zugebissen hat, ist laut Alexander Czech, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, immer noch nicht bekannt.

Die Polizei ermittelt gegen den Hundebesitzer wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Opfer, das den Hund ertränkte, erwarten laut Czech hingegen keine Konsequenzen: "Er handelte ja in Notwehr. Gegen ihn laufen keine Ermittlungen." Über die Zahl der Beißattacken in Oberfranken kann Czech nichts sagen: "Manchmal werden sie angezeigt, manchmal auch nicht."

Als wichtigste Ursache für die wachsende Zahl der Hundeattacken nennt das Bayerische Innenministerium einen einfachen Grund: Da es immer mehr Hunde gibt, gibt es auch immer mehr Angriffe. Dabei beißen Schäferhunde, Dobermänner, Rottweiler und große Mischlingshunde am häufigsten zu. Das liegt daran, dass diese Hunde sehr beliebt sind und von vielen gehalten werden.

Dass oft gerade Schäferhunde auf Menschen losgehen, erklärt Hundetrainer Rudolf Jehnes aus Hof-Wölbattendorf so: Viele Schäferhundehalter machen eine Schutzhundausbildung, bei der die Hunde unter anderem lernen, in die Schutzärmel an den Unterarmen zu beißen. So eine Ausbildung habe in privater Hand nichts verloren. Denn: "Viele Hundebesitzer üben zu wenig mit den Tieren. Sie sind nicht ausgelastet und wenn ein Mensch eine bestimmte Bewegung macht, kann es sein, dass der Hund auf ihn losgeht." Die Schutzhundausbildung sollte somit nur Hundeführern vorbehalten sein, die die Tiere beruflich einsetzen, etwa bei der Polizei oder beim Zoll.

Warum beißen Hunde aber zu? "Hintergrund ist meistens Angst. Der Hund möchte sich selbst oder sein Rudel schützen", sagt Hunde-Experte Jehnes. Dabei habe jedes Tier eine eigene Reizschwelle: "Die einen beißen zu, wenn sich etwas bewegt, die anderen erst, wenn sie geschlagen werden." Die Rasse sei für die Art einer Reaktion nicht ausschlaggebend, sondern die Erziehung und der Charakter des Hundes: "Nicht der Hund, sondern der Halter ist für das Handeln des Hundes verantwortlich."

Deshalb sollte jeder Hund in der Hundeschule lernen, dass er nicht zubeißen darf. "Er muss wissen, wer das Sagen hat." Jehnes fordert aus diesem Grund einen verpflichtenden Hundeführerschein für jeden Hundebesitzer.

Wenn der Hund aber nicht hört, sollte er nach Meinung des Experten beim Gassigehen an die Leine, damit er Spaziergänger oder Jogger nicht belästigt. "Wenn mir ein Mensch begegnet, lasse ich den Hund absitzen." Beißt ein Hund aber zu, helfe nur Pfefferspray. "Das muss ich leider so sagen, obwohl ich Hunde liebe", sagt Jehnes.

Flippt ein großer Hund aus und greift sein Opfer an, ist ein Mensch in der Regel wehrlos ausgeliefert. Läuft er lediglich auf einen zu, empfiehlt der Experte: stehen bleiben, dem Hund nicht in die Augen sehen und ihm eine Seite zudrehen.

Bei dem Beißvorfall am Förmitzspeicher war der Hund angeleint, obwohl in Schwarzenbach keine Leinenpflicht herrscht. "Jede Gemeinde kann ihre eigenen Regeln festlegen, was die Leinenpflicht oder den Maulkorbzwang angeht", erklärt Florian Opitz vom Ordnungsamt. Ob ein Hund angeleint werden soll oder einen Maulkorb bekommt, werde im Einzelfall entschieden, etwa nach einem Beißvorfall. Bei dem 83-jährigen Besitzer des Schäferhundes kann die Kommune keine Konsequenzen ziehen: "Der Mann ist in Schwarzenbach nicht mehr gemeldet."

 
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Julia Ertel

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Veröffentlicht am:
11. 06. 2019
19:30 Uhr

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11. 06. 2019
19:30 Uhr