Marktredwitz

Der "Löwe" im Dornröschenschlaf

Seit einigen Tagen ist das älteste Gasthaus der Stadt geschlossen. Nach den Sanierungsarbeiten soll das Traditions-Wirtshaus am Zipprothplatz in neuem Glanz erstrahlen.



Seit einigen Tagen geschlossen: Der "Goldene Löwe" in Dörflas. Für zwei Jahre gehen jetzt erst einmal Bauarbeiter und Handwerker aus und ein.
Seit einigen Tagen geschlossen: Der "Goldene Löwe" in Dörflas. Für zwei Jahre gehen jetzt erst einmal Bauarbeiter und Handwerker aus und ein.   » zu den Bildern

Marktredwitz - Das älteste Wirtshaus von Marktredwitz ist geschlossen. Zunächst einmal. Denn die Besitzer, Krystina und Reinhard Stegert, haben Großes vor mit dem Traditionslokal. Es soll gründlich saniert und rundum erneuert werden.

Der "Goldene Löwe" in Dörflas gehört zu den bekanntesten und schönsten Gaststätten in der Region. Bekannt ist das denkmalgeschützte Gebäude jedoch weit darüber hinaus. Erstmals urkundlich im Jahr 1609 als Raststätte am Handelsweg zwischen Eger und Nürnberg erwähnt, wird auch in mehreren Büchlein über herausragende Gaststätten in Bayern über den "Löwen" geschrieben.

Die bayerische Küche und ein Bier sind zwar über Jahre hinweg immer in dem Gasthaus gepflegt worden, im Lauf der Jahre aber haben die Gebäude des "Goldenen Löwen" schwer gelitten. So sehr, dass ein Gutachter den Wert des Gemäuers schon vor mehr als zehn Jahren auf nur noch 30 000 Euro geschätzt hatte. Die Kosten für die dringend notwendige Renovierung wurden von dem gleichen Gutachter schon damals auf eine stattliche Millionensumme geschätzt.

Der Zahn der Zeit nagte weiterhin an den Gebäuden und am Dach, während die Gaststätte florierte und in dem schmucken Saal im ersten Stockwerk so manche Feier stattfand. Die sanitären Anlagen waren längst nicht mehr zeitgemäß, das schöne Gewölbe im Keller litt zunehmend unter der Nässe, die der Substanz erheblich zusetzte.

Am 14. September 2015 konnte der frühere Besitzer das Projekt nicht mehr stemmen. Der "Goldene Löwe" wurde beim Landgericht in Hof versteigert. Den Zuschlag bekam das Marktredwitzer Ehepaar Krystina und Reinhard Stegert. Die beiden hatten sich einfach in den "Löwen" verliebt.

Jahre vorher hat das Ehepaar die Marktredwitzer "Geyer-Villa", eine alte Fabrikantenvilla an der Thölauer Straße, gekauft. Das Haus liegt in einem Park und war in einem bedauernswerten Zustand. Innerhalb weniger Jahre, mit viel eigener Arbeit, haben die beiden das stattliche Haus wieder in ein Kleinod verwandelt.

So ungefähr also wussten die beiden, was sie erwartet, als sie vor dem Landgericht für 56 000 Euro den Zuschlag für den "Löwen" bekamen. Nicht, dass die beiden ansonsten wenig zu tun hätten. Die Frau ist Zahnärztin und hat eine eigene Praxis in der Leopoldstraße. Der Mann betreibt ein Dental-Labor. Die Rollenteilung ist klar: Während die Frau eher die Architektin der Arbeiten ist, ist Reinhard Stegert der Handwerker - und Sammler. Denn wenn irgendwo im Landkreis oder darüber hinaus eine Scheune abgerissen, alte Gartenzaun-Säulen übrig sind, könnte es durchaus sein, dass sich der Marktredwitzer dafür interessiert.

Auch die Stadt war vor einigen Jahren froh, als das Ehepaar den "Löwen" ersteigerte und renovieren will. Und so war man gerne behilflich bei den Anträgen auf öffentliche Mittel. Auf rund 2,7 Millionen Euro hatte der Gutachter damals den Renovierungsbedarf des alten Gemäuers geschätzt. Eine Summe, die heute sicher nicht mehr ausreichen dürfte.

Aber die Mittelzusagen dauerten, und sie fließen auch nicht mehr so üppig wie früher. Wobei private Bauherrn von einer Bezuschussung von 90 Prozent, wie sie öffentliche Auftraggeber bekommen, nur träumen können. Keine 30 Prozent sind da zu erwarten. Inzwischen liege die mündliche Zusage, dass der Staat etwas dazu gibt, vor.

Ganz untätig aber waren die Stegerts nicht in den vergangenen Jahren. Für bestandssichernde Maßnahmen hatten sie eine Genehmigung. Auch wenn man außen nicht so viel sah, wurden marode Mauern befestigt, Balken ausgewechselt, Stuben entrümpelt oder Decken freigelegt. Mit viel Eigenleistung. Stegert entdeckte unter altem Putz oder Verkleidungen so manches, was Liebhaber alter Architektur erfreuen dürfte.

Jetzt ist das beliebte Gasthaus geschlossen. Die bisherige Pächterin ist ausgezogen und wird in Kürze ein anderes Lokal eröffnen. Damit können nun die Umbauarbeiten und Renovierungen im Inneren des Hauses beginnen. Wobei eines klar ist, wie die Besitzer versichern: "Die gemütliche, historische Wirtsstube bleibt, wie sie ist."

Damit aber hat es sich auch schon. Ansonsten ändert sich viel, sehr viel. Da es sich bei den Arbeiten praktisch um einen Neubau handelt, müssen auch neue Bestimmungen eingehalten werden. Das, so das Ehepaar Stegert, "betrifft die Brandschutzbestimmungen, sanitäre Einrichtungen, aber auch verschiedene Einrichtungen für die Küchen".

Auch das äußere Erscheinungsbild wird sich ändern. Der Biergarten werde größer, der Keller müsse trockengelegt werden. Dort, wo derzeit noch die Toiletten sind, bieten künftig drei große Bogentüren den Einlass zu einer gemütlichen, stilecht eingerichteten Bar.

Die Toilettenanlagen kommen an einen anderen Ort. "Das Dach zu dem dazugehörigen Nebengebäude ändert sich und wird dem Walmdach des Hauptgebäudes angepasst. Dazu braucht das Anwesen einen neuen Kanalanschluss und statische Verbesserungen." Die Pläne seien bereits fertig für immerhin 2200 Quadratmeter Fläche.

Eine Renaissance-Stube, seit langen Jahren im Dornröschenschlaf, werde wieder wachgeküsst und stehe dann für kleinere Feiern zur Verfügung. Der Saal, der schon so manchen Prominenten gesehen und ausgelassene Feiern erlebt hat, wird renoviert. Das gleiche gilt für das König-Ludwig-Zimmer. Eingeplant sind ein neues Treppenhaus, behindertengerechte Zugänge und ein Aufzug.

Klar, dass ein solches Bauvorhaben in mehrere Bauabschnitte eingeteilt werden muss. So soll erst einmal die Gastronomie wieder genützt werden können. In den Jahren 2020/21 aber werden wohl in erster Linie Bauarbeiter, Handwerker - und der Bauherr selbst - im "Goldenen Löwen" aus- und eingehen.

In einem weiteren Bauabschnitt haben die Stegerts dann noch einiges vor. Da sollen im Dachgeschoss und unter dem neuen Dach des Nebengebäudes neue Wohnungen entstehen.

Über einen Eröffnungstermin können Krystina und Reinhard Stegert heute noch nichts sagen. Das hänge von zu vielen Faktoren ab, meinen sie. So brauche man erst einmal in Zeiten der Bau-Hochkonjunktur leistungsfähige Firmen. Und natürlich müsse erst einmal die schriftliche Bestätigung der Förderzusagen vorliegen.

Illusionen darüber, dass sie nach den Investitionen mit dem denkmalgeschützten Gebäude einmal schwarze Zahlen schreiben, machen sich die Stegerts nicht. Denn mehr als 70 Prozent der Millioneninvestitionen müssen sie aus der eigenen Tasche schultern.

Autor

Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
18:26 Uhr

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Herbert Scharf

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Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
18:26 Uhr