Länderspiegel

Holger E. sieht neue Vorwürfe im Fall Peggy gelassen

Der damals 17-Jährige verweist auf sein Alibi und die Vernehmungen. Er habe mit dem Verschwinden des jungen Mädchens nicht zu tun. Für den Staatsanwalt ist die Spur E. erledigt.



Lichtenberg/Halle - Erst verdächtig, dann verurteilt wegen Kindesmissbrauchs und jetzt wieder als möglicher Verdächtiger ins Spiel gebracht: Erstmals äußert sich Holger E. (33) öffentlich zum Fall Peggy. Und zu den Forderungen des Hofer Anwalts Jörg Meringer, bei E. solle die Polizei weiter ermitteln.

Holger E., verurteilt wegen Kindesmissbrauchs, verfolgt den Fall, bei dem auch er in Verdacht geriet. E. war am 7. Mai 2001, dem Tag als Peggy in Lichtenberg verschwand und wohl getötet wurde, nach eigenen Angaben in Halle. Sein Alibi galt als nicht sicher, da er bei den ersten Vernehmungen gelogen hatte, wie er heute auch zugibt. "Aus Angst", weil er die Schule geschwänzt hatte. Weil er ab und zu den alten, abgemeldeten Opel seines Stiefbruders ohne Führerschein über die Schotterstraßen seines Dorfes fuhr, sahen die Ermittler in ihm einen möglichen Täter. Immerhin hätte er mit dem Auto nach Lichtenberg fahren können. "Aber es besteht ein Alibi, welches den Ermittlern bekannt ist und jederzeit erneut überprüft werden kann", sagt E.

Die Ermittlungen gegen Holger E. waren eingestellt worden, weil es kaum wahrscheinlich war, wie der 17-Jährige ohne Führerschein in kurzer Zeit von Halle nach Lichtenberg und zurückfahren konnte. Für Rechtsanwalt Jörg Meringer ist dies kein stichhaltiges Argument. In seiner Laufbahn als Verteidiger habe er schon mehrere Minderjährige erlebt, die mühelos "mehrere Hundert Kilometer ohne aufzufallen, durch die Republik gefahren sind", sagte er vor Kurzem unserer Zeitung. Meringer ist der Anwalt von Manuel S. (41), der zugegeben hat, die Leiche von Peggy in einen Wald nach Thüringen gebracht zu haben. E. sagt dazu: "Mir stand kein Auto zur Verfügung, denn der Opel wurde von meinem Adoptivvater, nachdem er mich beim Schwarzfahren im Ort erwischt hatte, fahruntüchtig gemacht." Er hätte noch nicht mal damit auf dem Hof fahren können, "da das entscheidende Bauteil fehlte".

Meringer forderte vor allem wegen der neuen Spuren, die 2016 bei den sterblichen Überresten von Peggy gesichert wurden, neue Ermittlungen gegen E. Etwa die Pollen oder ein Stückchen Folie, wie sie Landwirte verwenden. Eine Fläche von 250 Quadratkilometern hatten die Beamten rund um Lichtenberg abgesucht und die Zusammensetzung der Pollen nicht gefunden. Auch nicht bei Manuel S., sagt Meringer. Deshalb müssten Kripo und Staatsanwaltschaft auch ermitteln, ob die Pollen und die Folie von dem Bauernhof der Adoptiveltern E.s stammen könnten.

Der reagiert gelassen: "Der Anregung des Anwalts auf dem Hof meiner Adoptiveltern nach der erwähnten Folie und den Pollen zu suchen, stehe ich sehr wohlwollend gegenüber." Es gab in der Vergangenheit mehrfache Durchsuchungen des gesamten Anwesens. "Wie der Anwalt sich den Hof vorstellt, weiß ich nicht", sagt E., "aber es handelt sich nicht um ein bewirtschaftetes Anwesen". E. könne sich nicht erinnern, dass dort jemals Silagefolie verwendet wurde. "Was das Verschwinden und die Tötung Peggys betrifft, habe ich ein absolut reines Gewissen. Eine weitere Durchsuchung wird den jetzigen Tatverdächtigen eher noch verdächtiger als unverdächtig machen", sagt E. Der war auch in Verdacht geraten, weil er ein Amulett mit Peggys Foto um den Hals trug. "Ich wollte sie einfach nur bei mir haben, wie man eine kleine Schwester, die man vermisst, bei sich haben möchte." Er betonte, niemals einen "Schrein" mit Fotos von ihr besessen zu haben. Das sei "völliger Blödsinn". Meringer schrieb am Dienstag in einem sozialen Netzwerk, die Staatsanwaltschaft nehme seine Forderungen nicht ernst. Herbert Potzel, Leitender Oberstaatsanwalt in Bayreuth, sagt dazu, das Schreiben Meringers werde "geprüft". Die Spur Holger E. gilt seit Jahren jedoch als erledigt.

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Otto Lapp

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Veröffentlicht am:
15. 05. 2019
20:06 Uhr

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15. 05. 2019
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