Länderspiegel

Strafbefehl gegen ehemaligen Intendanten

Der ehemalige Hofer Bürgermeister Wilfried Anton ist der Nötigung schuldig. Er fuhr mit seinem Auto auf einen Polizisten zu.



Symbolfoto. Symbolfoto.
Symbolfoto.   Foto: Sebastian Willnow/dpa

Hof - Der ehemalige dritte Hofer Bürgermeister und Intendant der Hofer Symphoniker, Wilfried Anton, muss für einige Wochen im Auto auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Oder er geht gleich zu Fuß. Seinen Führerschein gab er am Montag gleich in einem Verhandlungssaal des Hofer Amtsgerichts ab.

Der Grund: Der heute 79-Jährige war im August vorigen Jahres auf einen Polizisten zugefahren, der vor einer Baustellenampel den Verkehr regelte. Der Beamte konnte sich mit zwei schnellen Schritten gerade noch in Sicherheit bringen, ehe Anton mit seinem Kleinwagen an ihm vorüberbrauste. Zuvor hatte der frühere Politiker mit Gesten zu verstehen gegeben, dass er die Grünphase der Ampel ausnutzen wolle.

Dies hatte Anton zunächst ein Ermittlungsverfahren wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Polizeibeamten und wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung eingebracht. Schließlich wurde ein Strafbefehl über 50 Tagessätze wegen Nötigung daraus. Weil Anton gegen den Strafbefehl Widerspruch eingelegt hatte, trafen sich nun alle Beteiligten in einer öffentlichen Verhandlung.

Antons Verteidiger, der Hofer Rechtsanwalt Jörg Meringer, sondierte dort, ob die Angelegenheit nicht auch durch eine Einstellung gegen eine Geldauflage aus der Welt geschafft werden könne. Schließlich sei sein Mandant niemand, der ernsthaft auf einen Menschen zufahren würde. Es habe sich an jenem heißen Augusttag um ein großes Missverständnis gehandelt. Anton habe den Polizisten in Zivil für einen Bauarbeiter neben der Straße gehalten. Er habe ihn nur warnen wollen, auf die Fahrbahn zu treten.

Der Polizeibeamte verwies allerdings darauf, dass vor Anton schon 30 oder 40 Autofahrer ihn an seiner Warnweste als Polizist erkannt und wunschgemäß auf seine Gesten abgebremst und gewendet hätten. Nur Anton habe Gas gegeben, obwohl er mitten auf der Fahrbahn stand, sagte der Polizist. An einer Sonnenblendung könne es nicht gelegen haben, da die Sonne um diese Tageszeit im Rücken des Autofahrers stand. Der Beamte versicherte, dass ihm gar nichts anderes übrig geblieben sei, als schnell zur Seite zu gehen, als zwischen ihm und dem Auto nur noch wenige Meter lagen.

Die Grünphase nützte dem ehemaligen Bürgermeister übrigens gar nichts. Weil die Baustelle durch zwei Busse blockiert war, musst er wenden und zurückfahren. An der Ampel wurde er schon von dem Polizeibeamten erwartet.

Den Rest seiner Chancen auf eine Verfahrenseinstellung vernichtete Wilfried Anton selbst. In einer wortreichen Erzählung beschrieb er, dass ihn der Auftritt des Polizisten wenig überzeugt habe. Der Mann sei mit kurzen Hosen, "graublauen Socken, einem undefinierbaren Hemd" und einer "zerknitterten Sicherheitsweste" bekleidet gewesen. Auch das Bewegungsbild hielt Anton, der schon viele Dirigenten erlebt hat, nicht für professionell.

"Wie ein Zappelphilipp" sei der Polizist in der Baustelle umeinandergesprungen. Er habe sich noch gedacht: "Der kommt doch aus der Augsburger Puppenkiste." Im Grunde aber bringe er Verständnis für den Polizisten auf, versicherte Anton. Vielleicht sei er an diesem Tag psychisch belastet gewesen, sinnierte er - verständlich bei dem, was man so in der Zeitung lese, was Polizeibeamten so widerfahre.

Staatsanwalt Matthias Knoblauch beschied ihm kühl, dass es selbstverständlich auch strafbar sei, auf Zappelphilippe zuzufahren. Mit einem Strafbefehl wegen Nötigung sei Anton noch außerordentlich gut bedient. Nach kurzer Beratung sah der frühere Intendant das genauso und nahm seinen Widerspruch zurück.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
29. 07. 2019
19:56 Uhr

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29. 07. 2019
19:56 Uhr